Wenn Frauen an Kinn, Oberlippe, Brust oder Bauch kräftige, dunkle Haare entwickeln, sprechen Mediziner von Hirsutismus. Betroffene empfinden das oft als belastend, viele rasieren täglich oder tragen Haare mit Wachs ab. Die Laser-Haarentfernung kann in dieser Situation ein Baustein sein, wenn vorher geklärt ist, woher die Behaarung kommt.

Was Hirsutismus ist

Hirsutismus beschreibt eine vermehrte Terminalbehaarung bei Frauen in einem männlich verteilten Muster. Zu unterscheiden ist er von der Hypertrichose, bei der Haare flächig dichter und länger wachsen, ohne hormonelle Ursache. Für die Einschätzung ist wichtig, wann die Behaarung begonnen hat, ob sie schnell zugenommen hat und ob weitere Zeichen wie Zyklusstörungen oder Akne bestehen.

Häufige Ursache: PCOS

Die häufigste Ursache ist das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS). Dabei produziert der Körper vermehrt Androgene, was zu vermehrter Behaarung, unreiner Haut und unregelmäßigem Zyklus führen kann. Daneben kommen andere hormonelle Ursachen in Betracht, etwa Störungen der Nebennierenrinde oder, seltener, Medikamente. Bei einem Teil der Betroffenen findet sich keine eindeutige Ursache.

Warum eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist

Behaarung an Kinn und Oberlippe lässt sich kosmetisch behandeln. Eine mögliche hormonelle Ursache bleibt dabei jedoch unentdeckt. In der ärztlichen Einschätzung geht es deshalb auch um Fragen, die über die Haut hinausgehen: Zyklus, Kinderwunsch, Gewichtsentwicklung, Hautveränderungen. Bei Bedarf veranlassen wir eine Laboruntersuchung oder empfehlen die Vorstellung bei der Frauenärztin oder beim Hausarzt.

Ein wichtiger Hinweis: Wenn zusätzlich Zeichen einer Vermännlichung auftreten, etwa eine tiefere Stimme, ein veränderter Körperbau oder eine Vergrößerung der Klitoris, gehört das zeitnah ärztlich abgeklärt. Solche Zeichen sind selten und brauchen eine andere Diagnostik als die Hautbehandlung.

Was die Leitlinie empfiehlt

Die 2018 veröffentlichte Leitlinie der Endocrine Society zur Beurteilung und Behandlung von Hirsutismus bei Frauen vor der Menopause nennt für die medikamentöse Behandlung kombinierte orale Kontrazeptiva und Antiandrogene. Für Patientinnen, die keine medikamentöse Therapie wünschen oder eine ergänzende Behandlung benötigen, wird die direkte Haarentfernung durch Laser- oder Photoepilation als Option beschrieben. Die Leitlinie weist zugleich darauf hin, dass die Haare nach dem Absetzen einer hormonellen Behandlung wieder zunehmen können.

Wie die Laserbehandlung wirkt

Der Diodenlaser mit 808 nm gibt Energie an das Pigment im Haarfollikel ab. Die Haarwurzel wird dadurch geschädigt, das Haar wächst anschließend dünner oder gar nicht mehr nach. Wirksam ist das vor allem bei dunklen Haaren und in der Wachstumsphase. Genau deshalb sind mehrere Sitzungen in festem Abstand nötig.

Bei hormonell bedingter Behaarung ist die Behandlung kein einmaliger Abschluss. Solange Androgene einwirken, können Haare nachwachsen. Realistisch ist eine deutlich reduzierte Haardichte mit einzelnen Auffrischungssitzungen. Eine Haarfreiheit auf Dauer lässt sich nicht zusichern.

Was in unserer Praxis passiert

In der Erstberatung bestimmen wir den Hauttyp, sehen uns die betroffenen Areale an und sprechen über den Verlauf der Behaarung. Ein Probeschuss zeigt, wie die Haut reagiert. Nach 24 bis 48 Stunden beurteilen wir das Ergebnis und legen die Energie für die Serie fest. Die Behandlung erfolgt in unserer Praxis durch Medizinische Fachangestellte mit Fachkunde nach NiSV unter ärztlicher Aufsicht; bei Hautreaktionen ist Dr. Schmidt Ihr Ansprechpartner.

Was die Behandlung nicht leistet

Die Laserbehandlung ersetzt keine hormonelle Diagnostik und keine Behandlung einer Grunderkrankung. Sie wirkt am Haar, nicht an der Ursache. Bei sehr hellen, grauen oder roten Haaren ist der Effekt gering, weil das Pigment fehlt. Und sie braucht Geduld: Die Abstände zwischen den Sitzungen liegen je nach Region zwischen vier und zwölf Wochen.

Wie sich die Behandlung in den Alltag einfügt

Zwischen den Sitzungen dürfen Sie rasieren – nur nicht epilieren oder waxen, weil die Haarwurzel für den nächsten Impuls vorhanden sein muss. Nach den ersten Sitzungen wachsen die Haare häufig lichter und langsamer nach. Bis sich etwas verändert, können Sie wie gewohnt weitermachen; der Verlauf nimmt daran keinen Schaden.

Was Sie in die Erstberatung mitbringen können

Hilfreich sind Angaben dazu, wann die Behaarung begonnen hat, ob sie schnell zugenommen hat, wie Ihr Zyklus verläuft und welche Medikamente Sie einnehmen. Wenn bereits Laborwerte vorliegen, bringen Sie sie mit. So lässt sich in einem Termin klären, ob eine Laserbehandlung sinnvoll ist und welche Areale zuerst behandelt werden.